Mit der Absage unserer Präsenzkurse im Rahmen der Qualifizierungen für Brandenburger Lehrer*innen standen auch wir vor der Frage, ob wir diese einfach nur verschieben oder durch Onlineangebote zumindest teilweise ersetzen. Einer der Schwerpunkte der Module ist vor allem das praktische Arbeit mit Apps und Software, das sich online nur schwer abbilden lässt. Ein anderer wichtiger Bestandteil ist aber auch der gegenseitige Austausch zu digitaler Bildung, der gerade jetzt wichtiger als zuvor ist, da sich viele die Frage stellen, was sie ihren Schülern und Schülerinnen digital und vor allem online anbieten können.

In zwei unserer Lerngruppen haben wir letzte und in dieser Woche Versuche gestartet, diese Inhalte als Webinare abzubilden. Nach einem gegenseitigen Austausch zur aktuellen Situation in den Schulen, gab es einen Input zu den verschiedenen Möglichkeiten die Schüler*innen über das Netz zu erreichen und zu unterstützen. Die Teilnehmenden berichteten von den Lösungen, die sie selber oder ihre Schulen dafür anbieten und teilten Tipps und Tricks. Im zweiten Teil ging es um den ursprünglich geplanten Schwerpunkt „Produzieren“. Während die eine Fortbildungsgruppe das Onlinetool „Twinery“ zur Erstellung interaktiver Geschichten erprobte, tauschte sich die andere Gruppe über das Erstellen eigener Erklärfilme aus, die den eigenen Schüler*innen zur Verfügung gestellt werden können.

Unser Angebot wurde von jeweils etwas mehr als der Hälfte der Lerngruppen angenommen. Das Feedback war immer sehr positiv. Vor allem war zu merken, dass bei den Kolleg*innen, die nun seit einer Woche überwiegend im Homeoffice arbeiten, die Chance sich in der bekannten Lerngruppe austauschen zu können, sehr dankbar aufgenommen wurde.

Technisch war die Videokonferenz für die meisten eine kleine Herausforderung. Es musste immer eine „Onboarding“-Zeit von mindestens 15-20 Minuten eingeplant werden, bis alle Teilnehmenden ihre Headsets oder wenigstens Kopfhörer angeschlossen hatten und Kameras und Mikrophone freigeschaltet waren. Wie bei den Treffen mit den Jugendarbeiter*innen nutzten wir Adobe Connect, das sich für uns als stabilste Lösung erwiesen hat. Trotzdem ist die Qualität je nach Bandbreite des eigenen Zugangs sehr unterschiedlich. Letztlich ließ sich nicht immer klären, warum Ton und Bild manchmal stockten. Die zweite Gruppe verzichtete im Verlauf ihrer Konferenz auf Videoübertragung und stellte ein Standbild ein. Sehr viel Übertragungskapazität nahm anscheinend auch das Teilen des eigenen Desktops in Anspruch.

Auch wir haben bei den Onlinekonferenzen viel gelernt. Ein eigenes Headset sollte immer Voraussetzung zur Teilnahme sein. Zwei Moderator*innen sind eigentlich unverzichtbar, da Wortbeiträge nicht nur per Audio eingehen, sondern parallel auch noch gechattet wird. Die Inputs mit anschließenden Praxisphasen müssen sehr stark strukturiert und dies auch transparent dargestellt werden, da sich sonst einige Teilnehmende im Netz verlieren. Mehr als vier Stunden inkl. Pausen sollten die Webinare nicht dauern.

Sehr interessant waren die Berichte der Lehrer*innen zur Gewährleistung des Unterrichts während der Schulschließungen. Es stellte sich heraus, dass nicht nur jede Schule ihre eigene Umgehensweise entwickelt hat, sondern die Lehrer und Lehrer*innen jeweils eigene Lösungen entwickelt haben: vom Verschicken von Arbeitsblättern per Email über die Nutzung einzelner Tools wie Padlet, Learning Apps oder Videokonferenzen bis hin zur Einbeziehung einer Lernplattform. Bei der von einer Schule genutzten HPI Schulcloud wurde aber auch angemerkt, dass diese durch Überlastung teilweise nur eingeschränkt nutzbar war. Dies betraf ebenfalls Dienste wie Padlet, das ZUM-Etherpad oder die Videokonferenzdienste. Gut zu funktionieren scheint, Screencasts am eigenen Rechner aufzuzeichnen, bei denen den Schüler*innen anhand von Arbeitsmaterialien die Lerninhalte erklärt werden und diese Filme online zur Verfügung zu stellen.

Als problematisch stellt sich vor allem dar, dass zum Teil eine Überforderung eintritt, wenn die Lehrkräfte sich nicht abstimmen und viele verschiedene Tools von den Schüler*innen genutzt werden müssen. Zum Teil wird befürchtet, dass das derzeitige „Homeschooling“ für gute Schüler*innen, die Zuhause viel Unterstützung erfahren, gut zu bewältigen ist (einige hier auch schon angeben, dass sie Zuhause besser lernen können, weil sie weniger abgelenkt sind), gerade Schüler*innen aus bildungsfernen Elternhäusern hier aber hinten runterfallen. Einig waren sich die Teilnehmenden, dass mehr darauf geachtet werden sollte, Schule nicht nur als Lernraum online abzubilden, sondern auch als Sozialraum.