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Medien- und Demokratiebildung
Leitfaden für die pädagogische Praxis


Gemeinsame Ziele von Medien- und Demokratiebildung

Die Expertise “Medienbildung und Demokratiebildung“ und die Zusammenfassung „Ziele partizipativer Medienpädagogik“ des JFF identifizieren drei Hauptziele an der Schnittstelle zwischen Medienbildung- und Demokratiebildung. Hieraus lassen sich neun gemeinsame Ziele für die pädagogische Praxis ableiten:

Bearbeitung politischer Themen und Förderung von Meinungsbildung und Urteilsfähigkeit


1. Aneignung politischen Wissens in und mit Medien

2. Lebensweltbezogene Auseinandersetzung mit und Meinungsbildung zu gesellschaftspolitischen Themen

3. Förderung von Urteils und Kritikfähigkeit

Auseinandersetzung mit medialer Diskurskultur und Reflexion der eigenen digitalen Kommunikation

4. Förderung des Bewusst­seins für datenverarbeitende Prozesse (Datensouveränität)

5. Auseinandersetzung und Reflexion politischer Phänomene in Medien 

6. Orientierung im Kontext digitalisierter Lebenswelten

Förderung von Partizipation durch Handlungsfähigkeit in und mit Medien

7. Förderung von polit ischer Beteiligung und Partizipation in/mit Medien

8. Förderung politischer Handlungsmotivation und Selbstwirksamkeitserfahrung

9. Förderung instrumenteller Fähigkeiten im Internet und im Umgang mit digitalen Systemen

A – Bearbeitung politischer Themen und Förderung von
Meinungsbildung und Urteilsfähigkeit

1. Aneignung politischen Wissens in und mit Medien

Medienpädagogische Praxis kann im Kontext der Wissensvermittlung auch in schwer zugängliche Themen durch mediale Projekte zielgruppengerecht einführen, Möglichkeiten der Recherche aufzeigen und Hilfestellung bei der Verwendung von medialen Quellen politischer Information geben. Zudem können komplexe politische Themen in einem geschützten (medien-)pädagogischen Rahmen bearbeitet werden.

Die aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs braucht Wissen über politische Strukturen und Prozesse. Neben klassischen Nachrichtenmedien stellen digitale Medien eine wichtige Informationsquelle für Jugendliche dar. In Projekten partizipativer Medienpädagogik sollten Sie Jugendlichen daher ermöglichen, sich politisches Wissen in und mit Medien anzueignen. Dazu gehört zunächst einmal zu wissen, welche Quellen sich eignen, um Informationen über das politische System (z.B.: Bundeszentrale für politische Bildung) oder aktuelle Geschehnisse (z.B.: Tagesschau) zu beziehen. Gleichzeitig ist es wichtig lebensweltnahe Medien, wie etwa YouTube oder Instagram, als Medien zur Wissensaneignung quellenkritisch zu diskutieren und zu reflektieren und damit die Recherche- und Informationskompetenz der Jugendlichen zu stärken.

Wenn Ihr Projekt vorgegebene politische Themenfelder behandelt, können Sie mit Methoden aus der themenzentrierten Medienarbeit arbeiten. Hier wird zwar der thematische Rahmen von Ihnen vorgegeben, aber Sie bieten den Teilnehmenden genug Spielraum, um ihre eigenen Themenschwerpunkte einzubringen. Dazu können die Jugendlichen in einem bestimmten Themenfeld zunächst selbstständig eine ausführliche Recherchephase durchlaufen, um für sich interessante Aspekte eines Themas zu finden. Beim Rechercheprozess können dann auch die Vertrauenswürdigkeit von Informationsquellen hinterfragt werden.

Eine gute Übersicht spannender Themenfelder im Bereich der Medien- und Demokratiebildung bietet Ihnen das jumblrThemencluster „Medien- und Demokratiebildung“. Hier finden Sie nicht nur Anregungen für Ihr nächstes Projektthema, sondern auch weiterführende Leitfragen, Methoden und Best Practices aus dem Bereich.

Um politische Themenfelder eigenständig zu erschließen, brauchen Jugendliche allerdings auch oft Vorwissen und Orientierung – das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass Sie Kurzvorträge halten müssen. Greifen Sie stattdessen auf spielerische digitale Methoden der Wissensaneignung zurück, indem sie ein Wissensquiz mit Kahoot!, eine thematische Online-Recherche, ein Online-Spiel, eine Expert*innenbefragung oder eine digitale Schnitzeljagd mit Actionbound anbieten. 

Konkrete politische Themen können auch mit einer multiperspektivischen Online-Recherche erschlossen werden. Dadurch können Jugendliche sich nicht nur politisches Wissen aneignen, sondern entwickeln auch ein Verständnis für unterschiedliche Sichtweisen und Positionen. Darauf aufbauend können sie sich eine eigene Meinung bilden und diese in unterschiedlichen Formen artikulieren. Beim medienpädagogischen Projekt Digitale Lauffeuer beschäftigen sich die Projektteilnehmenden z.B. mit einem konkreten Thema oder Ereignis, das in der medialen Berichterstattung kontrovers diskutiert wird. Aus dieser großen Menge an Sichtweisen, können sie dann eine eigene Perspektive auf das Thema in Form einer Nachricht erarbeiten.

 

Ziel

  • Recherche und Informationskompetenz stärken 

Methoden

  • kritische Quellenanalyse
  • eigenständige Themenrecherche 

Beispielprojekt

  • Digitale Lauffeuer 

2. Lebensweltbezogene Auseinandersetzung mit und Meinungsbildung zu gesellschaftspolitischen Themen

Eine eigene Meinung zu haben und zu lernen, diese zu vertreten, ist ein wichtiger Schritt hin zu Handlungsfähigkeit und Mündigkeit. In der medienpädagogischen Arbeit können junge Menschen durch die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen in Gruppenarbeit und die Aufarbeitung von Themen im Rahmen kreativer Medienarbeit in der Meinungsbildung unterstützt werden und eigene Lebensbezüge zu gesellschaftlichen und politischen Themen entdecken und sich dazu in Beziehung setzen.

Für die partizipative Medienpädagogik ist es entscheidend, die Lebenswelt der Teilnehmenden als Basis der eigenen medienpädagogischen Arbeit zu verstehen. Gerade wenn abstrakte politische Themen behandelt werden, bietet es sich an, subjektive Erfahrungen, Perspektiven und Interessen Jugendlicher als Ausgangspunkt zu nehmen. Durch das damit angesprochene exemplarische Lernen werden praktische lebensweltliche Beispiele für bestimmte politische Themen aufgegriffen und in einen Bezug zu größeren politischen Phänomenen gesetzt. In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, sich die Medien anzuschauen, die Jugendliche zur Meinungsbildung nutzen. “Welche politische Aussage auf TikTok beschäftigt mich gerade?” “Welche*r Youtuber*in äußert sich gerade zu einem viel diskutierten Thema?” oder “Wie habe ich darauf reagiert (Liken, Kommentieren, Teilen, …)?” können als Leitfragen den Lebensweltbezug eines Themas hervorheben.

Wenn Sie in der offenen Jugendarbeit tätig sind, können Sie auf die bewährten Methoden der aktiven Medienarbeit zurückgreifen: die teilnehmenden Jugendlichen bringen ihre eigenen Themen mit. Ihre pädagogische Aufgabe besteht dann primär darin, die mitgebrachten Themen zu bündeln und gemeinsam mit den Jugendlichen Bezüge zu gesellschaftspolitischen Fragestellungen herzustellen. Ein hilfreiches Format hierfür sind z.B. offene Brainstorming-Sessions. Versuchen Sie, eine vertrauensvolle und wertschätzende Atmosphäre herzustellen – das erleichtert den freien Ideenaustausch. Einmal etabliert kann der Austausch auch online weitergeführt werden, z.B. über kollaborative Online-Tools wie Padlet oder Etherpad.

Nach Projektabschluss sollten die gesammelten Projekterfahrungen gemeinsam mit den Teilnehmenden reflektiert werden. Im Fokus der Reflexionsrunden stehen die Selbst- und Gruppenerfahrungen der Jugendlichen, sowie die lebensweltorientierten Erkenntnisse, die sie daraus ziehen. Hier können Sie Brücken zwischen den im Projekt gemachten Erfahrungen und gesellschaftspolitischen Themen schlagen: „Wie hat sich mein persönlicher Bezug zum Projektthema verändert?“, „Welche Probleme sind mir bewusst geworden?“ oder „Wofür will ich mich in der Zukunft einsetzen?“. Mit ähnlichen Reflexionsleitfragen können Sie gezielt Meinungsbildungsprozesse bei den Projektteilnehmenden ankurbeln. 

Im Sinne einer partizipativen Medienpädagogik sollten Sie Jugendliche an der Themenfindung möglichst umfassend beteiligen. Das ist zum Beispiel durch im Vorfeld durchgeführte Barcamps möglich. Bei einem Barcamp organisieren die Jugendlichen eine kleine Tagung, indem sie offen und selbstständig Panel-Sessions zu ihren Themen anbieten. Die Methode ermöglicht eine offene, selbstbestimmte und lebensweltorientierte Themensetzung und fördert von Beginn an die Eigenverantwortung der teilnehmenden Jugendlichen. Mit der Unterstützung von Online-Tools wie Camper können Sie Ihr Barcamp auch online organisieren. 

Ziele  

  • Erfahrungen einbeziehen
  • Handlungsfähigkeit stärken 

Methoden  

  • Exemplarisches Lernen
  • Aktive Medienarbeit 
  • Brainstorming

Medieneinsatz 

  • Padlet / – Etherpad 
  • Camper 

Tipp 

  • Projekterfahrungen
    abschließend gemeinsam reflektieren

Beispielprojekte 

  • Barcamp 

3. Förderung von Urteils- und Kritikfähigkeit

Mit der pädagogisch unterstützten Bearbeitung von Themen durch Aktive Medienarbeit geht idealerweise auch die Förderung von Urteils- und Kritikfähigkeit einher, indem sowohl die medialen und kommunikativen Räume als auch die dort kommunizierte Information und ihre Verarbeitungsprozesse kritisch reflektiert werden. Zudem werden durch Diskussionen in der Gruppe unterschiedliche Perspektiven aufgezeigt und die Meinungsbildung im Dialog mit anderen gefördert.

Medienpädagogische Projekte zeichnen sich durch dialogorientierte kreative Gruppenarbeit aus. Hierbei lernen Teilnehmende Aufgaben untereinander aufzuteilen, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen in der Gruppe zu treffen. Da diese Kompetenzen sowohl medien- als auch demokratiepädagogisch relevant sind, sollten Sie die Gruppenarbeit in Ihrem Projekt gezielt ankurbeln. Hier geht es auch darum, dass Jugendliche selbstständig in der Gruppe diskutieren, ihre Meinung vertreten und sich so gemeinsam auf den weiteren Projektverlauf einigen. Das hilft ihnen auch eine eigene Position zu entwickeln und diese im Verlauf der Zusammenarbeit zu vertreten. Eine Methode, um sich eine eigene Meinung zu bestimmten Fragen oder Themen zu bilden, ist der Barometer-Ansatz. Teilnehmende positionieren sich auf einer Skala zwischen zwei Polen, z.B. gerecht/ungerecht. Auch hier können digitale Tools wie Mentimeter zum Einsatz kommen. 

Ein Planspiel, bei dem die Teilnehmenden in unterschiedlichen Rollen ein ergebnisoffenes Szenario durchspielen, hilft den Jugendlichen sich spielerisch in gesellschaftspolitische Themen einzudenken, die unterschiedlichen Perspektiven beteiligter Akteur*innen besser zu verstehen und selbst Lösungsansätze zu entwickeln. Im Online-Dokument Best Practices der Medien- und Demokratiebildung finden Sie gelungene Beispiele für den Planspiel-Ansatz im medienpädagogischen Bereich. Ideen für Planspiele im demokratiepädagogischen Bereich finden Sie in der Planspiel-Datenbank der Bundeszentrale für politische Bildung.

Im Rahmen solcher Planspiele übernehmen Jugendliche verschiedene Rollen mit jeweils unterschiedlichen Positionen und übertragen diese in greifbare Spielhandlungen. Hierbei können Sie die Jugendlichen aktiv unterstützen, sich kontroverse Positionen anzueignen und im Rahmen ihrer Rolle eigene Meinungen zu bilden. Die Entwicklung eigener Werte und die ethische Beurteilung der verschiedenen Positionen stehen hier im Fokus. Im medienpädagogischen Planspiel FutureInfluencer gibt es z.B. mehrere Pro- und Contra-Gruppen für oder gegen die Einführung eines datenspeichernden Armbandes (Big Data) im schulischen Kontext. Bei Trumpit! wiederum gründen Projekteilnehmende fiktive Parteien, die in einem simulierten medialen Wahlkampf ideologisch gegeneinander antreten. Beide Beispielprojekte bieten ausreichend Spielraum für die Entwicklung eigener Werte und ethischer Urteile. 

Kern der kreativen Gruppenarbeit in einer partizipativen Medienpädagogik ist die Diskussion miteinander über politische Themen. So können Meinungen nicht nur gebildet, sondern auch artikuliert werden. Dabei ist es gerade zur Stärkung von Urteils- und Kritikfähigkeit hilfreich, wenn emotionale und kontroverse Themen Gegenstand der Diskussion sind. So können Sie die Jugendlichen motivieren, unterschiedliche Positionen zu vertreten und auch Meinungskonflikte spielerisch auszutragen. Es ist darauf zu achten, dass die Diskussionen in einem der Situation angemessenen, diskriminierungsfreien und regelbasierten Klima ablaufen und das Gesagte hinterher ausführlich gemeinsam reflektiert wird. Überlegen Sie sich dazu Debattenregeln und polarisierende Thesen. 

Auch bei der internen Präsentation der Projektergebnisse im Nachhinein steht die Förderung von Urteils- und Kritikfähigkeit im Vordergrund. Bei der Sichtung und Besprechung der Projektergebnisse sollten Sie die Teilnehmenden darin bestärken, konstruktive Kritik zu äußern und annehmen zu können.

Ziel 

  • Eigene Positionen entwickeln und vertreten 

Methoden

  • Kreative Gruppenarbeit und – diskussion
  • Planspiel 
  • Barometer-Ansatz

Medieneinsatz 

  • Mentimeter 

Beispielprojekte

  • FutureInfluencer
  • TrumpIt

Tipp

  • Spiel- und Debattenregeln verbindlich festlegen
  • Projektergebnisse abschließend präsentieren
  • konstruktiv Kritik äußern und annehmen

B – Auseinandersetzung mit medialer Diskurskultur und Reflexion der eigenen digitalen Kommunikation

4. Förderung des Bewusstseins für datenverarbeitende Prozesse (Datensouveränität)

Kritische Bewertung ist nicht nur im Hinblick auf Inhalte von Bedeutung, sondern auch hinsichtlich der Medien selbst und deren Funktionsweise. Projekte mit Medien und digitalen Systemen können bei jungen Menschen ein Bewusstsein für Datenverarbeitung stärken und zu deren kritischer Reflexion anregen.

In vielen medienpädagogischen Angeboten im Rahmen des Themenfelds Datensouveränität stehen praktische Tipps zum Schutz der eigenen Daten im Vordergrund. Es geht hier etwa um Hinweise zu Datenschutz-Einstellungen in Apps oder um die Erstellung eines sicheren Passwortes. Projekte einer partizipativen Medienpädagogik sollten allerdings auch digitale Funktionslogiken und gesellschaftliche Konsequenzen der Digitalisierung thematisieren. Dabei bietet es sich an, das Dilemma des eigenen Verhaltens mit persönlichen Daten zu reflektieren: Einerseits existiert das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Datenschutzes, andererseits greifen bei zu starken Einschränkungen auch soziale Ausschlussmechanismen. Aus medienpädagogischer Perspektive wäre es daher zu verkürzt, Teilnehmenden zu empfehlen ihre Social-Media-Aktivitäten einzuschränken oder zu unterlassen. Vielmehr sollten Sie die Jugendlichen fördern, informiert und reflektiert mit diesem Dilemma umzugehen und selbstbestimmt ihre eigenen Abwägungen zu treffen. 

Abstrakte Sachverhalte, wie Prozesse der Datenverarbeitung, können in medienpädagogischen Projekten oft nur dann verständlich gemacht werden, wenn sie ansprechend heruntergebrochen und visualisiert werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten komplexe Phänomene wie Big Data, Überwachung oder Künstliche Intelligenz für einen Einstieg in das Thema aufzubereiten. Dazu eignen sich zum Beispiel zielgruppengeeignete Erklärvideos. Einige davon bieten auch pädagogisches Begleitmaterial und multimediale Visualisierungen an, die das Einarbeiten in das Themenfeld vereinfachen.

Datensouveränität können Ihre Projektteilnehmenden auch spielerisch erfahren – hierzu können Sie gezielt auf einfache Online-Spiele zugreifen, bei denen die Spielenden selbst zu Datensammlern werden. So lernen Jugendliche digitale Funktionslogiken kennen und begreifen, wie ihre persönlichen Daten in der Online-Wirtschaft verwertet werden. Sie können aber auch komplexere medienpädagogische Methoden aus der Big Data-Methodensammlung ausprobieren. Das aktive Einspielen in das Thema sollte im Nachhinein ausführlich reflektiert und wenn möglich mit den eigenen Erfahrungen der Jugendlichen unterfüttert werden. 

Ein weiterer Ansatz zur Förderung des Bewusstseins für datenverarbeitende Prozesse ist der des Rollentausches. Die Auseinandersetzung mit komplexen Themen wie Datensouveränität funktioniert besonders gut, wenn Jugendliche sich die unterschiedlichsten Akteursperspektiven spielerisch aneignen. In der Rolle von „App-Verantwortlichen“ müssen sie z.B. selbst entscheiden, was mit den sensiblen Nutzerdaten geschieht, wie beim Projekt Data Dancing. Die breite Vernetzung der App-Nutzer*innen muss hier gegen die Freigabe der eigenen Daten abgewogen werden, wodurch das Dilemma des eigenen Verhaltens mit persönlichen Daten spielerisch erarbeitet wird. Bei medienpädagogischen Planspielen wie Data Run erfahren Teilnehmende am eigenen Leib, was es bedeutet permanent überwacht zu werden. Future Influencer macht diese Selbsterfahrung noch lebensweltnaher, indem die Datenüberwachung auf das schulische Umfeld übertragen wird. 

Ziel

  • Handlungsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein beim Umgang mit Daten fördern 
  • Algorithmen kennenlernen, verstehen und bewerten 

Tipp 

  • Datenverzicht oder Datensparsamkeit bedeutet oft soziale Ausgrenzung. 

Medieneinsatz

  • Erklärvideos
  • Onlinespiele

Beispielprojekte 

  • Data Dancing
  • Data Run 
  • Future Influencer

5. Auseinandersetzung und Reflexion politischer Phänomene in Medien

Mediale Phänomene wie Fake News oder Hate Speech zeigen, dass die Digitalisierung zu einer partiellen Verlagerung von politischen Diskursen ins Digitale geführt hat. Die Struktur von Mediensystemen sowie die Informations- bzw. Ideologiegehalte von Information, die durch Medien vermittelt werden, zu entschlüsseln, ist eine der Hauptaufgaben von Medienkompetenzförderung mit politischem Gehalt.

Medienpädagogische Projekte zu politischen Phänomenen wie Fake News oder Hate Speech, mit denen Jugendliche teilweise selbst in Kontakt kommen, arbeiten gerne mit praxisnahen Beispielen. Dabei gibt es viele Möglichkeiten Jugendliche mit echten Beispielen, etwa von Hasskommentaren in sozialen Netzwerken oder Fake News, zu konfrontieren und diese gemeinsam einzuordnen und zu bewerten. Durch Beispiele aus der Lebenswelt der Jugendlichen, etwa Hassrede in Kommentaren unter YouTube-Videos, kann so das komplexe Phänomen Hate Speech für die Teilnehmenden zugänglich gemacht werden, wie das Projekt Internet-Ritter anschaulich zeigt. Reflexions- und Diskussionsrunden tragen hier auch dazu bei, sich in andere Kommentierende hineinzuversetzen. Dabei kann darüber hinaus die Perspektive der Medienschaffenden und die Verantwortung von Plattformanbieter*innen thematisiert werden. 

Jugendliche machen auch eigenständige Erfahrungen mit politischen Diskursen in Medien, wenn sie sich im Netz bewegen. Im Sinne des exemplarischen Lernens können diese Erfahrungen in Hate-Speech-Projekten genutzt werden, zum Beispiel, indem eigene Erfahrungen mit Cybermobbing mit den anderen geteilt werden. Im nächsten Schritt könnte dann ein Transfer auf die gesamtgesellschaftliche Ebene stattfinden. Die teilweise schwerwiegenden Konsequenzen von Hassrede im Netz können so anhand eigener Erfahrungen reflektiert und in größere Zusammenhänge eingeordnet werden. 

Bei Peer-to-Peer-Projekten werden zunächst jugendliche Mentor*innen ausgebildet, die ihr Wissen an andere weitergeben. Der Peer-to-Peer-Ansatz funktioniert auch deswegen, weil sensible Themen nicht mit Erwachsenen, sondern mit Gleichaltrigen diskutiert werden, die möglicherweise selbst ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das führt zu einem offeneren und gleichberechtigten Austausch.

Stehen Fake News und Verschwörungstheorien im Vordergrund der Projektarbeit, so bietet es sich einerseits an, über Fakten-Checks den Umgang mit Informationen im Netz zu lernen, z.B. in Form von Quizspielen. Es gibt einige Tools, mit denen Projektteilnehmende Nachrichten-Schlagzeilen, Fake News oder Verschwörungstheorien spielerisch erstellen können. So bekommen sie ein besseres Verständnis dafür, wie leicht es ist, Falschmeldungen in die Welt zu setzen. Wenn Sie solche Prozesse der Wahrheitskonstruktion mit Ihren Projektteilnehmenden durchspielen, ist es wichtig, gemeinsam über ihre Auswirkungen zu reflektieren. 

In einer partizipativen Medienpädagogik sollten Sie Jugendliche auch für ideologisch aufgeladene Inhalte im Netz sensibilisieren. Akteur*innen der neuen Rechten, wie die Identitäre Bewegung, versuchen im Internet Jugendliche zielgruppenadäquat von ihren Ansichten zu überzeugen. Um Jugendliche für extremistische Ansprache zu sensibilisieren, können Sie solche Kommunikationsstrategien gemeinsam thematisieren und reflektieren. Konkrete Anregungen hierzu finden Sie auf der Website von Prisma und Dekonstrukt. Das Browsergame Leons Identität bietet einen spielerischen Zugang zur Reflexion von Rechtsextremismus.

Ziele!

  • Mechanismen der Nachrichtenproduktion verstehen lernen
  • Begriffe „Fake News“, „Hassrede“, „Verschwörungstheorie“  voneinander abgrenzen 

Methode

  • eigene Erfahrungen teilen und in größere Zusammenhänge einordnen

Tipp!

  • Multiplikator*innen-Ansätze eignen sich gut, um sensible Themen auf Augenhöhe zu bearbeiten und möglichst viele Heranwachsende zu sensibilisieren

Medieneinsatz 

  • Quizspiele
  • Dekonstrukt, Prisma 

6. Orientierung im Kontext digitalisierter Lebenswelten und Kommunikation

Handlungsleitende Orientierung und Kontrolle über die eigene Kommunikation im Netz sind Voraussetzungen dafür, sich einzubringen. So müssen Heranwachsende zur Unterscheidung anonymer oder nicht-anonymer Beteiligung sowie zur Differenzierung digitaler Räume befähigt werden, um zu erkennen, welche Räume für bestimmte Aktivitäten nützlich und sicher sind und welche nicht. Es geht darum, sie ausgewogen zur Teilhabe und zum Selbstschutz anzuregen, ihnen dabei aber auch Möglichkeiten aufzuzeigen, Hilfe und Unterstützung einzufordern.

Ein erster Schritt hin zur Orientierung im Netz ist die Reflexion des eigenen Medienhandelns. Sie können Ihre Projektteilnehmenden dazu anregen, indem Sie ihnen mit einer Mediennutzungsabfrage einen Einstieg in das Thema ermöglichen. Das funktioniert zum Beispiel in Form eines Quiz, im Rahmen dessen die Jugendlichen angeben, welche Medien sie wie häufig nutzen. Dabei kann auch eine Einordnung in aktuelle Studien, wie der JIM-Studie erfolgen. Ebenso eignet sich der Medientagebuch-Ansatz, in dem Jugendliche über mehrere Tage ein Tagebuch ihrer Mediennutzung führen und vermerken, wie viel Zeit sie mit welcher Tätigkeit auf welcher Plattform verbringen. Außerdem eignet sich die Medienhelden-Methode, bei der Jugendliche ihre Medienheld*innen vorstellen (bspw. den Lieblings-Instagram-Star) und so Reflexionsprozesse in Gang gesetzt werden, wie es etwa im Projekt How2Influence geschieht. So können mediale Vorbilder und Bezugspersonen, die bei der Identitäts- und Meinungsbildung der Jugendlichen eine wichtige Rolle spielen, kritisch betrachtet werden und Jugendliche ihr eigenes Medienhandeln kritisch reflektieren. 

Im Rahmen der aktiven Medienarbeit sollten Sie mit den Jugendlichen gemeinsam genau überlegen mit welchen Medienformen (z.B. Comic, Video oder Podcast) sie ihre Projektideen zum Ausdruck bringen wollen. Dabei können Sie durch Zwischenreflexionen gezielt Prozesse der Meinungs- und Wertebildung unterstützen: “Warum entscheiden wir uns für diese Medienform?”, “Welche Folgen hat die Medienauswahl für unsere Projektarbeit?” und “Wie verändern solche Medienformen unsere Kommunikation?” Die subjektive Perspektive der Jugendlichen ist hier besonders ergiebig, denn sie bietet eine gute Brücke zu ihren medialen Lebenswelten. Neben der Auswahl der Medienform können Sie sich auch für einen Kommunikationskanal (z.B. Instagram, TikTok oder YouTube) für die Verbreitung der Inhalte entscheiden. Je nach Medienart gibt es unterschiedliche Vor- und Nachteile, die bei der Wahl von Kommunikationskanälen beachtet werden müssen. 

Durch den Einsatz von medialen Kampagnen können Jugendliche sich konzeptionell überlegen, welche Botschaften sie an welche Zielgruppen richten wollen. Je nach Kampagnenstrategie entscheiden sich die Teilnehmenden für Medieninhalte (Poster, Video, Bild, App, usw..) und für konkrete Kommunikationskanäle (YouTube, Instagram, TikTok, usw.). Die Jugendlichen eignen sich so selbstständig die Möglichkeiten verschiedener Medienformen bzw. Kommunikationskanäle an und stärken damit ihre Fähigkeiten zur Orientierung im Kontext digitaler Kommunikation. Solche Aneignungsprozesse können Sie durch eigenständige Recherchephasen einleiten und wenn nötig mit kurzweiligen Inputs zu unterschiedlichen Möglichkeiten der digitalen Kommunikation unterstützen. 

Ziele

  • Reflexion über das eigene Medienhandeln anregen
  • Wahl der Medienformen und Kommunikationskanäle im Projekt thematisieren und reflektieren

Methoden

  • Medientagebuch
  • Medienhelden

Tipp

  • Gerade im Bereich der Medien- und Demokratiebildung kann die Gestaltung und Verbreitung von Kampagnen den Meinungsausdruck und die Teilhabe an öffentlichen Diskussionen bei Jugendlichen fördern. Dabei kann auch eine Sensibilisierung für extremistische Ansprachen stattfinden, die auf ähnlichen Wegen versuchen möglichst viel Reichweite zu erlangen.

C – Förderung von Partizipation durch Handlungsfähigkeit in und mit Medien

7. Förderung von politischer Beteiligung und Partizipation in/mit Medien

Junge Menschen sollen dazu ermutigt werden, aktiv und selbstbestimmt zu entscheiden, in welchem Kontext und in welchen digitalen Räumen sie aktiv kommunizieren. Der Kontakt mit Gleichaltrigen innerhalb von Projektgruppen kann die Auseinandersetzung mit und Bewertung von digitalen Öffentlichkeiten anregen. Darüber hinaus bieten digitale Partizipationstools und Beteiligungsprozesse im Netz eine gute Basis, um Kinder und Jugendliche in politische Diskussionen und (im besten Fall) in Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Digitale Partizipation kann nur dann stattfinden, wenn Sie Jugendliche in der eigenen Projektarbeit aktiv beteiligen, von der Konzeption über die Themen- und Medienwahl, bis zur Ergebniskommunikation nach außen. Dabei sollte das Projekt sowohl offene als auch geschützte Räume anbieten, in denen die Teilnehmenden sich frei ausdrücken und wirksam an der Projektgestaltung beteiligen können. Für diesen Zweck können sowohl Offline- als auch Online-Räume genutzt werden. Bei Präsenzveranstaltungen können Sie Ihre Teilnehmenden mit Entscheidungskreisen, Planungszirkeln oder Design-Thinking-Sessions aktiv in die Prozessgestaltung einbinden. Online können Sie mit Padlet kollaborativ Projektideen sammeln, mit Tricider gemeinsam Ideenvorschläge diskutieren und priorisieren und mit Mentimeter Live-Abstimmungen durchführen. Bei der Arbeit mit Online-Tools sollten Sie immer darauf achten, dass diese den vorhandenen Ressourcen der Teilnehmenden entsprechen (z.B. Endgerät, Betriebssystem & Internet-Zugang) und dass wirklich alle Teilnehmenden eingebunden werden können. Ob off- oder online, Sie sollten sich gut überlegen, inwieweit die Jugendlichen die Räume wirksam mitgestalten können. Nützliche Hinweise zur Planung partizipativer Projekte finden sie zum Beispiel in der Projektcheckliste von jugend.beteiligen.jetzt..

 Gleichzeitig gilt, sofern es überhaupt möglich und sinnvoll ist, mit den Jugendlichen auch nach dem Projekt in Kontakt zu bleiben oder die Jugendlichen, falls nicht bereits geschehen, miteinander zu vernetzen. Eine erfolgreiche Anschlusskommunikation kann stattfinden, wenn mit den Bedarfen und Ideen der Jugendlichen nachhaltig gearbeitet wird. Bei einigen Projekten bietet es sich auch an, im Projekt zentrale Plattformen weiterhin gemeinsam zu nutzen. Ein gutes Beispiel für eine gelungene Anschlusskommunikation bietet das Projekt Internet-Ritter, in dem nach der Filmarbeit der Umgang mit Hate Speech und Moderation in den YouTube-Kommentarspalten ermöglicht wird. Außerdem sollten die Jugendlichen dazu angeregt werden, im Sinne eines Peer-to-Peer-Austausches, ihre Projektergebnisse an Gleichaltrige weiterzugeben und so Erfahrungen und Erkenntnisse in andere, ihnen nahe Kontexte zu tragen.

Partizipation zu fördern bedeutet, Möglichkeiten aufzuzeigen, sich in projektrelevante Diskurse einzumischen. Gesellschaftspolitische Debatten werden oft online geführt und Jugendlichen sollte es möglich sein, an Diskussionen zu Themen teilzunehmen, die sie interessieren und ihnen wichtig sind. Dabei können sie sich einerseits in bestimmten Kanälen in ihrer Lebenswelt beteiligen, also etwa in den Kommentaren zu bestimmten meinungsstarken Videos auf YouTube. Andererseits können gezielt Plattformen und Apps für Online-(Jugend-)Beteiligung genutzt werden, wie etwa OPIN, PLACEm, #stadtsache oder Adhocracy. Gleichzeitig sollten Jugendlichen Wege zum Engagement entdecken, z.B. in Vereinen oder Bewegungen, wie etwa Fridays For Future.

Ziel

  • Wege zur politischen Beteiligung aufzeigen

Methoden

  • Entscheidungskreis, Planungs­zirkel, Design-Thinking 

Medieneinsatz

  • Padlet, Mentimeter
  • Tricider

Beispielprojekte

  • bildmachen.net 
  • Hall of Meme 

Tipp

  • Vor dem Einsatz digitaler Kanäle zur Beteiligung sollten Jugendliche allerdings für den Kontakt mit Hate Speech gewappnet und für die dort übliche Diskurskultur sensibilisiert werden.
  • Internet-Ritter

8. Förderung politischer Handlungsmotivation und Selbstwirksamkeitserfahrung

Durch die Lebensweltorientierung medienpädagogischer Arbeit werden politische Themen mit Bezug zu den Erfahrungen und Interessen der Beteiligten bearbeitet. Die medienpädagogische Praxis kann zudem eigene Möglichkeiten und Teilziele politischen Handelns sichtbar machen sowie das Bewusstsein dafür fördern.“

Laut §18a der Kommunalverfassung des Landes Brandenburg müssen Jugendliche sich in allen sie betreffenden Angelegenheiten beteiligen und an Entscheidungen mitwirken können. Diesen Anspruch können Sie in Projekten nutzbar machen, indem sie mit lokalen Akteuren (z.B. aus der Kommunalpolitik) kooperieren und diese frühzeitig in die Projekte einbeziehen, damit die teilnehmenden Jugendlichen einen möglichst großen Resonanzraum ihrer Arbeit erhalten. Bei RaumpioniereZukunft etwa fungieren die Kommunen als Projektpartner. Andere Akteure, wie z.B. die Lokalpresse, regionale Unternehmen oder Kultureinrichtungen können Räume, Mittel oder fachlichen Input zur Verfügung stellen. So erfahren Jugendliche, dass ihre Stimme zählt und dass sie etwas bewirken können. Das stärkt ihre Motivation auch perspektivisch die eigene Meinung zu vertreten und sich politisch zu engagieren.

Erhalten Jugendliche die Möglichkeit sich Gedanken über die Zukunft zu machen, kann ihre politische Handlungsmotivation gestärkt werden. Das kann beispielsweise mithilfe der Zukunftsszenarien-Methode funktionieren. Jugendliche beschäftigen sich so mit der Gesellschaft der Gegenwart, um davon ausgehend Ideen für eine zukünftige Gestaltung zu entwickeln. Aber auch im kleinen Maßstab können so Möglichkeiten für politisches Handeln aufgezeigt und mithilfe digitaler Medien auf kreative Art und Weise Zukunftsszenarien entworfen werden. So kann zum Beispiel Minecraft dazu genutzt werden, um Ideen für die eigene Gemeinde zu visualisieren.

Wenn Ihre Projektteilnehmenden im Rahmen der aktiven Medienarbeit Produkte erstellen, sollten diese einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Filmvorführungen, Ausstellungen, Projektvorstellungen sind dabei nur ein paar Formate für öffentlichkeitswirksame Abschlussveranstaltungen. Sie alle würdigen die Projektarbeit der Jugendlichen und stärken deren Selbstwirksamkeit, indem ihre Arbeitsergebnisse einem interessierten Publikum präsentiert werden.

Bei Projekten der Medien- und Demokratiebildung können Sie den gesellschaftspolitischen Bezug durch Präsentationsveranstaltungen noch weiter stärken. So können die Projektergebnisse in Anschlussdiskussionen mit lokalen Unterstützer*innen und Politiker*innen eingebunden werden, wie es z.B. im Projekt Raumpioniere Zukunft oder im Rahmen der ACT ON! Kinderkonferenzen geschieht. Solche Wirksamkeitserfahrungen stärken nachhaltig die politische Handlungsmotivation und das gesellschaftspolitische Engagement Jugendlicher.

Ziel

  • Jugendliche an politischen Entscheidungsprozessen beteiligen

Methode

  • Zukunftsszenarien entwickeln 

Tipp

  • Die öffentliche Präsentation der Projektergebnisse in der Kommune bieten Wirksamkeitserfahrungen und stärkt die Motivation der Jugendlichen zur politischen Beteiligung. 
  • Raumpioniere Zukunft
  • Act On! Kinderkonferenzen 

Beispielprojekte

  • Raumpioniere Zukunft
  • Act On! Kinderkonferenzen

9. Förderung instrumenteller Fähigkeiten im Internet und im Umgang mit digitalen Systemen

Teilhabe im Internet geht nicht zuletzt mit instrumentellen Fähigkeiten einher, die gelernt und mit denen in abgeschlossenen medienpädagogischen Projekten gespielt werden können. Es geht dabei auch darum, elektronische Informations- und Kommunikationstechnologien zur politischen Teilhabe nutzen zu können.

Um sich im digitalen Raum beteiligen zu können, ist es sinnvoll, elementare instrumentelle Fähigkeiten zu erlernen. Dazu gehören Grundkenntnisse in Online-Recherche und Quellenkritik. Jugendliche müssen wissen, wo sie verlässliche Informationen finden können und wie sie herausfinden können, ob hinter einer Information eine vertrauenswürdige Quelle steckt oder es sich womöglich um verzerrte oder falsche Informationen handelt. Dazu können Sie auf verschiedene Ratgeber zurückgreifen. 

In der aktiven Medienarbeit werden unterschiedlichste Medienformate produziert. Dabei müssen zunächst instrumentelle Fähigkeiten zur Erstellung der jeweiligen Medienart(en) vermittelt werden. Ob Blog-Beitrag, Kurzfilm oder Podcast, Meme, Instagram-Story, App, QR-Code-Rallye oder sogar Roboter-Prototyp – alle bieten genug Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten für den kreativen Einsatz. Im Fokus sollte die Medienaneignung durch die Teilnehmenden stehen: Sie sollen die Tools selber ausprobieren und eigene Aneignungserfahrungen machen (Handlungsorientierung), aber auch einen eigenständigen und bewussten Umgang mit dem Medium und seinen Spezifika entwickeln (Orientierung und Positionierung). So können Datenschutz, Werbung oder Bildrechte direkt während der Medienaneignung und Medienarbeit besprochen und reflektiert werden.

Zu instrumentellen Fähigkeiten im Internet zählt das Coding. Mit entsprechenden Kenntnissen können niedrigschwellige Webseiten oder Apps programmiert werden, die bestimmte politische Themen aufgreifen oder die Artikulation von Meinungen ermöglichen. Durch die handlungsorientierte Förderung solcher Kompetenzen können Jugendliche die durch Algorithmen gesteuerte Funktionsweise sozialer Netzwerke und Online-Plattformen besser verstehen und hinterfragen. Ein Beispiel für ein medienpädagogisches Coding-Projekt bietet OderDojo.

 Gute partizipative Medienpädagogik zeichnet sich dadurch aus, dass hier häufig Medieninhalte zur politischen Kommunikation im Internet erstellt werden. Dazu zählen zum Beispiel Texte, Bilder oder Videos, die sich zu einem gesellschaftspolitischen Thema klar positionieren und eine bestimmte Meinung kommunizieren. Im Projekt Kampagnenstark etwa werden verschiedene Medienprodukte für Vielfalt und gegen Extremismus erstellt. Die technischen und gestalterischen Fähigkeiten zur Erstellung dieser Medieninhalte sollten dabei frühzeitig in den Projekten vermittelt werden. Gleichzeitig ist es sinnvoll Fähigkeiten zur Erlangung von Reichweite zu vermitteln, etwa durch die Erstellung einer gezielten Kampagne für bestimmte Zielgruppen. In Social Media Workshops, wie etwa im Projekt How2Influence werden Jugendliche dazu befähigt in Zukunft ihren Meinungen öffentlichkeitswirksam Ausdruck zu verleihen. In diesem Zusammenhang kann thematisiert werden, welche Strategien andere Akteure, wie etwa extremistische Gruppierungen, in der digitalen Welt nutzen, um Anhänger zu finden. Dadurch kann die Widerstandsfähigkeit der Teilnehmenden gegenüber solchen Ansprachen gestärkt werden.

Ziel

  • Jugendlichen wesentliche Fertigkeiten zur kompetenten Nutzung von digitalen Medien vermitteln 

Methode

  • Aktive Medienarbeit mit unterschiedlichen Formaten 

Medieneinsatz

  • Redaktionsblog
  • Kurzfilm, Podcast
  • Youtube-Playlist
  • Instagram-Kanal
  • Qr-Code-Rallye
  • Roboter programmieren, Coding

Beispielprojekte

  • Kampagnenstark
  • How2Influence