6. Netzwerktagung 18. Oktober 2017

Meinungsbildung vs Meinungsmache.- Entwicklungsaufgaben einer kritischen Medienpädagogik

Falschnachrichten fluten das Netz, mit Hilfe von Social Bots wird Meinungsmanipulation betrieben und die Propagandamaschinen einzelner Gruppen diktieren die Agenda. Die fast unbegrenzte und heterogene Informationsfülle im Netz führt zu einer zersplitterten Wahrnehmung der gesellschaftlichen Realität, im schlimmsten Fall zu einer Entstehung ideologischer Parallelrealitäten, die einer offenen Gesellschaft gefährlich werden können.

Die Euphorie um den demokratischen Charakter der Netztechnologien, die alle zu gleichberechtigten Sendern machen, den globalen Autausch befördern und für Transparenz sorgen, ist längst verflogen. Das Tool, das eigentlich die Demokratie stärken sollte, hilft ausgerechnet den radikalen Gruppen, die an Argumenten nicht interessiert sind und nur Ressentiments schüren wollen. Das Internet: Land of the Facts oder Home of the Trolls?

Wir haben es mit einem Leitmedienwechsel zu tun, auf den die traditionellen Medienunternehmen bisher keine Antwort gefunden haben: rückläufige Printverkäufe, zunehmender Vertrauensverlust und Druck durch eine Aufmerksamkeitsökonomie, von der diejenigen profitieren, die zuerst Nachrichten liefern, ob geprüft oder ungeprüft. Die Folge: Fokussiert wird immer stärker auf Skandalisierung und Moralisierung einerseits sowie Personalisierung, Emotionalisierung und Intimisierung andererseits. Publiziert wird, was gefällt und viele Millionen Mal geklickt wird.

Nicht Gesetze gegen Fakenews helfen hier, sondern es braucht mündige kritische Bürger_innen, die ihre „Filter Bubble“ zumindest teilweise zum Zerplatzen bringen. Es muss sehr kritisch beobachtet werden, zu wessen Gunsten eine Machtverschiebung durch den Leitmedienwechsel stattfindet: zu den Bürger_innen, zu den Internetkonzernen oder zu bestimmten Interessensgruppen.

Der Schlüssel hierfür ist eine Medienbildung, die nicht nur frühzeitig sondern lebenslang agiert, damit Netztechnologien ihr Potential entfalten, um Meinungsfreiheit, Transparenz und demokratische Selbst- und Mitbestimmungsprozesse zu stärken.

Medienkompetenzvermittlung in Schule und Jugendarbeit bedeutet demnach neben dem Recherchieren von Informationen, verstärkt die kritische Beurteilung von Rechercheergebnissen und Quellen ins Blickfeld zu nehmen. Nicht zuletzt die Eigenproduktion von Medien, ob nun Zeitungen, Webseiten, Hörspiele oder Filme, ist eine bewährte Methode, den Einfluss von Medien auf Wahrnehmung und Wertevorstellungen zu untersuchen und Kinder und Jugendliche am gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozess teilhaben zu lassen.

Wir fragen auf der Netzwerktagung nach den richtigen Strategien der Bildungseinrichtungen auf die Herausforderungen des Leitmedienwechsels, laden zum Austausch ein und zeigen Best-Practice-Beispiele einer kritischen Medienbildung.

Reader zur Netzwerktagung „Medienkompetenz stärkt Brandenburg“

Vorträge, Workshops, Worldcafé-Ergebnisse, Fotos – laden Sie hier den diesjährigen Reader zur Netzwerktagung „Medienkompetenz stärkt Brandenburg“ herunter.

Download des Readers (pdf, 1,8 MB)

Videodokumentation

Vortrag Jan-Hinrik Schmidt

Fotodokumentation

6. Netzwerktagung

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Ansprechpartner

Matthias Specht

Matthias Specht Tel. 0331-60 11 88 40 Mail: zentrale [ät] medienbildung-brandenburg.de

Downloads

MBJS-Konzeptpapier „Stärkung der Medienkompetenz“

Rahmenvereinbarung MBJS-mabb

Digitalisierungsstrategie des Landes Brandenburg