Gewalt in Computerspielen, Mediensucht, Datensicherheit in virtuellen Netzen, Jugendmedienschutz – diese und andere Themen gewinnen in einer durch und durch medialisierten Welt immer größere Brisanz. Junge Menschen erfahren Medien heute als Instrumente von Unterhaltung, Kommunikation und Information in einem Maße, die wesentlich zu ihrer Orientierung und Identitätsbildung beitragen können. Politik und Pädagogik halten für die damit verbundenen Chancen und Risiken bislang nur unzureichende Antworten bereit.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Multimedia Brandenburg (kurz: LAG Multimedia) unterstützt deshalb das „Medienpädagogische Manifest“ von zentralen medienpädagogischen Institutionen in Deutschland – namentlich die Kommission Medienpädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, die Fachgruppe Medienpädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK), das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis sowie das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung. Die Unterzeichner des Manifests fordern u.a. „eine medienpädagogische Grundbildung als verbindlichen Bestandteil der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte, verstärkte Anstrengungen in den Einrichtungen der Elementarpädagogik, der Schule sowie in der Jugend-, Familien- und Elternbildung. Nachhaltig auszubauen ist die Medienpädagogik an den Hochschulen, um einer qualitativ hochwertigen Forschung und Reflexion über die Medien das notwendige Gewicht zu geben.“

Im Land Brandenburg sind medienpädagogische Strukturen und medienpädagogisches Handeln nur in Ansätzen – und überwiegend in außerschulischen Kontexten – zu verzeichnen. In Schule hat sich Medienpädagogik als Querschnittsaufgabe für alle Fächer bislang nicht durchgesetzt. Fast alle medienpädagogischen Aktivitäten im außerschulischen Bereich sind projektfinanziert.

So koordiniert die LAG Multimedia das Netzwerk der Jugendinformations- und Medienzentren (kurz: JIM), ein informeller Zusammenschluss von derzeit elf außerschulischen Einrichtungen der Jugendarbeit und Jugendbildung mit medienpädagogischem Profil. In diesem Zusammenhang steuert die LAG Multimedia die Qualitätsentwicklung der medienpädagogischen Arbeit im Netzwerk. Ziel ist die Etablierung von mindestens einer medienpädagogischen Netzwerkstelle je Landkreis und kreisfreier Stadt. Permanente Qualifikationsangebote für die medienpädagogisch tätigen Fachkräfte stellen sicher, der großen Dynamik in der Entwicklung der Medien gewachsen zu sein.

Als weiterer Akteur bietet die Aktion Kinder- und Jugendschutz, Arbeitsstelle Brandenburg im Rahmen einer Projektfinanzierung für Multiplikatoren Qualifikationen zum sog. „Eltern-Medien-Trainer“ an, um in der Elternarbeit auf die mit der rasanten Entwicklung der Medien und den damit verbundenen problematischen Nutzungsmöglichkeiten entstandenen neuen Unsicherheiten adäquat reagieren zu können.

Neben der zweifelsfreien Notwendigkeit des langfristig wirkenden Auf- und Ausbaus von medienpädagogischen Ausbildungskonzepten im Rahmen der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sieht die LAG Multimedia jedoch auch kurz- bis mittelfristig erhebliche Handlungsbedarfe bei der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Zusammenhang mit Medien. Der Vorstand des Fachverbandes schlägt hierfür einen Zwei-Säulen-Plan vor:

1. Bezugsrahmen Außerschulische Jugendbildung
Schaffung nachhaltiger dezentraler Strukturen, die die medienpädagogische Vernetzung in und zwischen den Landkreisen koordinieren.
– Die regionale Koordination kann über die bestehenden bzw. im Aufbau befindlichen JIM-Strukturen erfolgen und Strukturen wie Ressourcen der LAG Multimedia nutzen. Ziele sind:
a. Förderung der Fachkräftequalifikation
b. Beratungsleistungen für Jugendliche, Jugendhilfe, Eltern, Schule
c. Steuerung von medienpädagogischer Projektarbeit
d. Landkreisübergreifende Kooperation und Beteiligung an landesweiten Medienprojekten
e. Förderung von Kooperationen zwischen Schule und außerschulischen Einrichtungen auf medienpädagogischem Feld
– Die regionale Koordination bündelt weitere Initiativen und Projekte, die einen medienpädagogische Multiplikatorenfunktion ausüben (z.B. Eltern-Medien-Trainer)
Die Finanzierung der Netzwerkstellen ist entsprechend ihrer auf die einzelnen Landkreise zugeschnittenen Dienstleistungen zu gestalten. Dienste von landesweiter Bedeutung sollten weitestgehend von der Landesebene getragen werden.

2. Bezugsrahmen Schule
Das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) entwickelt ein Ausbildungskonzept mit dem Ziel, je Schule mindestens eine Lehrkraft in medienpädagogischen Methoden zu qualifizieren. Die Lehrkraft wird befähigt:
a. den schulischen Lehrkörper in der Anwendung medienpädagogischer Methoden/der Vermittlung von Medienkompetenz im Unterricht zu unterstützen/zu beraten,
b. Projekttage, Praktika und Ganztagsschulangebote mit medienpädagogischem Profil zu steuern und hierfür bedarfsweise außerschulische medienpädagogische Kompetenzen (z.B. der JIM) hinzuzuziehen.
c. beratende Funktionen im Rahmen von Elternmedienarbeit zu übernehmen.

Die Lehrkraft nimmt regelmäßig an weiteren medienpädagogischen Qualifikationen teil, um mit den Chancen und Risiken der Entwicklung der Medien Schritt zu halten.

Medienpädagogik als Querschnittsaufgabe in der Kinder- und Jugendbildung ist eine bildungs- und jugendpolitische Herausforderung, der sich politische Verantwortungstragende im Gespräch mit anderen Akteuren (Schule, Fachverbände, Bildungsstätten, Wirtschaft) dringend stellen müssen. Die LAG Multimedia ist bereit zu diesem Dialog.

Der Vorstand der LAG Multimedia Brandenburg, Juli 2009